Freitag, März 18, 2011

Die Wahrheit über Atomstrom

Atomstrom ist wirtschaftlich und garantiert billigen Strom

Atomstrom hat den drastischen Preis-Anstieg der letzten Jahre nicht verhindert. Der Strompreis in Deutschland wird an der Leipziger Strombörse festgesetzt. Das teuerste Kraftwerk im bestehenden Mix bestimmt den Marktpreis. Die Produktionskosten von Strom aus abgeschriebenen AKWs sind zwar gering, günstig verkauft wird er trotzdem nicht.

Atomkraft ist bis heute auf Subventionen angewiesen: Die Haftpflichtversicherung deckt nur einen Bruchteil der möglichen Schäden durch einen Atomunfall. Der Brennstoff Uran ist steuerfrei, Rückstellungen für Stilllegung und Endlagerung sind zum Teil von der Steuer befreit. Dazu kommen direkte Subventionen, wie Forschungsaufwendungen oder der Rückbau von Anlagen, wie die Versuchswiederaufarbeitung in Karlsruhe und ihre hochradiotoxische Abfallbrühe, der AVR, THTR usw. Aktuell werden die Bürger für die Billigentsorgung der AKW-Betreiber in Morsleben und in der Asse zur Kasse gebeten, denn die haben sich geweigert, für die Schließung dieser beiden ungeeigneten Atommüll-Lagerstätten einen entsprechenden Beitrag zu leisten. Solche Vergünstigungen gibt es für keinen anderen Industriezweig.

Betrachtet man dazu alle externen Kosten, die die Atomwirtschaft verursacht (Schäden an Mensch und Umwelt durch Uranabbau (vgl. WISMUT), Uranaufbereitung, Urananreicherung, Wiederaufarbeitung) und die Folgekosten, die eine Entsorgung des ganzen Mülls vom abgereicherten Uran bis zum hochradioaktiven ausgedienten Brennstoff noch bescheren wird, so darf spekuliert werden, ob 2 Euro/kWh überhaupt ausreichend sind. Im Übrigen hat das durchaus atomfreundliche Prognos-Institut bereits vor Jahren (1992) ausgerechnet, dass bei Einrechnung aller Kosten, die kWh Atomstrom damals noch 4 DM kosten müsste.


Atomkraftwerke sind harmlos

Die Liste von "Meldepflichtigen Ereignissen" und Störfällen in AKWs ist lang, manche waren nur kurz vom GAU entfernt (z.B. Forsmark, Schweden, 2006). Ein hundert Prozent sicheres AKW gibt es nicht. Die älteren Meiler halten noch nicht einmal dem Absturz einer kleineren Verkehrsmaschine stand. Kein einziges AKW ist gegen einen Terroranschlag gerüstet. Das Durchschnittsalter der laufenden Atomkraftwerke in Deutschland beträgt etwa 28 Jahre, das Älteste ist 36 Jahre alt. Gerade alte Meiler sind anfällig für Störfälle und weisen gravierende Sicherheitsmängel auf.

Auch im Normalbetrieb geben AKWs Radioaktivität über Kamin und Abwasser an die Umwelt ab. Kleinkinder erkranken um so häufiger an Krebs oder Leukämie, je näher sie an einem Atomkraftwerk wohnen. Im 5-km-Umkreis ist das Risiko für Kinder unter 5 Jahren, an Leukämie zu erkranken, sogar doppelt so hoch.

In Atomanlagen kommt es immer wieder zu radioaktiven Freisetzungen (z.B. Tricastin, Frankreich, 2008) und Unfällen (z.B. Tokai Mura, Japan, 1999), wodurch Menschen und Umwelt kontaminiert werden.

Ebenso setzen alle Anlagen der vorgelagerten Prozesskette Radioaktivität frei. Der Uranabbau z.B. verwüstet ganze Landstriche und verursacht riesige Mengen offen gelagerten radioaktiven Mülls.


Für den Atommüll gibt es eine Lösung

Weltweit gibt es bis heute kein betriebsbereites Endlager für hochradioaktive Abfälle. Allein aus deutschen AKWs fallen jährlich mehr als 400 Tonnen hochradioaktiver Müll an, der über eine Million Jahre sicher verwahrt werden muss. Im "Forschungsendlager" Asse hat man es nicht einmal geschafft, die radioaktiven Abfälle über drei Jahrzehnte sicher zu lagern. Aus Mangel an Lagerkapazitäten werden dann schon mal radioaktive Abfälle aus der Anreicherungsanlage oder auch der Wiederaufarbeitung einfach als "Wertstoff" nach Russland exportiert, wo die Fässer dann vor sich hinrosten.


Atomstrom ist eine heimische Energie

Deutschland betreibt keinen eigenen Uranabbau. Die Uranmine Wismut in der ehemaligen DDR, die Bombenstoff für die Sowjetunion lieferte, ist nach der Wiedervereinigung geschlossen und saniert worden. Der Brennstoff Uran muss in Deutschland zu hundert Prozent importiert werden. Er kommt aus Ländern, wie Russland, Niger, Namibia, Kasachstan, Usbekistan, also auch aus politisch instabilen Regionen.


Die friedliche Nutzung der Atomkraft ist kontrollierbar

Atomkraft ist ambivalent, die zivile und militärische Nutzung sind eng miteinander verflochten. Jede zivile Nutzung birgt die Option zum Waffenbau, was derzeit im Iran gemutmaßt und von der Weltöffentlichkeit scharf kritisiert wird.

Neben den fünf "Atommächten" USA, Russland, Frankreich, Großbritannien und China haben mindestens vier weitere Staaten die Atomtechnik erfolgreich zum Waffenbau missbraucht: Indien, Pakistan, Nordkorea und Israel. Ein Ausbau der "friedlichen" Atomkraft würde die Welt nicht sicherer machen, im Gegenteil.

Wenn immer mehr Länder durch Atomenergieprogramme Zugriff auf Atomtechnik und Spaltmaterialien haben, wird die weitere Verbreitung von Atomwaffen schwer zu verhindern sein. Das von Präsident Obama bei seiner viel beachteten Prager Rede verkündete Ziel einer Welt ohne Atomwaffen wäre nicht erreichbar.

Wer eine atomwaffenfreie Welt will, muss auch die zivile Nutzung der Atomenergie beenden.


Atomkraft rettet das Klima

Der nukleare Anteil am weltweiten Endenergieverbrauch beträgt gerade einmal zwei Prozent. Selbst ein drastischer Ausbau der Atomkraft würde nicht wesentlich zur globalen CO2-Verminderung beitragen. Wegen langer Planungs- und Bauzeiten käme er für die Rettung des Klimas ohnehin zu spät.

Bei Betrachtung der gesamten vorgelagerten Kette vom Uranabbau, über Anreicherung, Brennelementherstellung bis zum Kraftwerk ist Atomstrom nicht CO2-frei. Die Atomkraft ist mit 30 – 120 g CO2/kWh am Klimawandel beteiligt, je nach dem wo das Uranerz abgebaut wird und wie reich das Erz an Uran ist.

Dabei ist die nachgelagerte Kette, wie Anlagen-Rückbau und Behandlung der abgebrannten Brennelemente und radioaktiven Abfälle bis hin zur Endlagerung noch nicht berücksichtigt.

Die Erneuerbaren Energien weisen im Vergleich dazu eine bessere Bilanz auf.


Ohne Atomkraft gehen die Lichter aus

Deutschland ist ein Netto-Stromexportland: Seit 2003 produzieren wir mehr Strom als wir brauchen. 2008 erzielte Deutschland einen Überschuss von 22,5 Mrd. Kilowattstunden, das entspricht der Leistung von 2-3 Atomkraftwerken. Und das, obwohl die AKWs Brunsbüttel und Krümmel das ganze Jahr nicht am Netz waren.

Im ersten Vierteljahr 2010 hat die deutsche Energiewirtschaft doppelt so viel Strom exportiert wie importiert. Allein der Ausfuhrüberschuss war größer als die gesamte Stromproduktion der sieben alten und besonders gefährlichen Atommeiler. Diese könnte man sogar sofort abschalten, ohne dass die Lichter ausgehen.


Längere Laufzeiten überbrücken die Zeit der Umstellung auf Erneuerbare Energien

Längere Laufzeiten sichern nur die Gewinne der Betreiber und Aktionäre und verzögern einen raschen Ausbau der dezentralen Erneuerbaren Energien. Da die Atommeiler zu unflexibel sind, um das fluktuierende Stromangebot der Erneuerbaren Energien nachfahren zu können, wird immer öfter regenerativ erzeugter Strom durch die großen Energieversorger vom Netz getrennt. Dies geschieht, obwohl das Erneuerbare Energien Gesetz den Vorrang für regenerativ erzeugten Strom festgeschrieben hat. Für die Kohle- und Atomkraftwerk-Betreiber rechnet es sich mehr, Ausgleichszahlungen für den nicht eingespeisten Strom aus erneuerbaren Quellen zu bezahlen anstatt ihre schwerfälligen Anlagen herunter- und wieder hochzufahren. Atom- und Kohlestrom verstopfen die Netze.

Außerdem behindern längere Laufzeiten für AKWs Investitionen in Erneuerbare Energien und damit in Klimaschutz. Sie zementieren die Monopole der vier großen Stromkonzerne E.ON, RWE, Vattenfall und EnBW und verhindern einen fairen Wettbewerb auf dem Strommarkt. Sie verursachen noch mehr Atommüll und ein höheres atomares Risiko durch den Betrieb der alternden, zunehmend maroden Meiler.


Neun von 16 Bundesländern lehnen eine Verlängerung der Laufzeiten ab. Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) hat sich ebenfalls dagegen ausgesprochen. Die Mehrheit der Bevölkerung will den Atomausstieg.



Eingefügt aus http://umweltinstitut.org/atom-luegen

Lest hierzu auch den Artikel über die Legende vom Salzstock: http://ipbblog.blogspot.com/2010/11/wie-wir-belogen-werden.html

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